Über die Stadt Arkheim

(aus einem Arkheimer Informationsband für Flüchtlinge aus Urland)

Arkheim ist sowohl die älteste als auch die mit Abstand größte Stadt Westfernlands. Seit die ersten paar hundert Flüchtlinge aus den Gründungskriegen jenes Gebiet erreichten, welches heute die Arkheimer Bucht genannt wird, und provisorische Behausungen errichteten, ist dort eine Metropole mit nunmehr beinahe einer halben Million Einwohnern entstanden.

Arkheim liegt an der Mündung des Bogenflusses in den Ozean der Versuchung, im Zentrum der Arkheimer Bucht. Der Bogenfluss beginnt sich bereits weit vor der Küste in ein gewaltiges Delta zu teilen. Daher befindet sich das Statdtgebiet zum großen Teil auf Binneninseln, welche jedoch durch Dutzende große und kleine Brücken miteinander verbunden sind.

Etwa 20 Kilometer vor der Küste haben die gerechten Völker einen gewaltigen Damm errichtet (den Arkheimer Damm), welcher den größten Teil der vom Hauptarm des Bogenflusses transportierten Wassermassen in ein künstlich erweitertes und vertieftes Flussbett nach Norden hin ableitet. So wird Überschwemmungen im Stadtgebiet von Arkheim vorgebeugt, auch wenn es bei besonders starken Regenfällen in der Zeit der Schneeschmelze in manchen Jahren trotzdem noch zu Hochwasser kommen kann.

Die Stadt Arkheim ist in folgende Bezirke aufgeteilt:

1. Einwärtshafen

Dies ist der nördlichste Stadtbezirk, benannt nach dem Hafen, von dem aus Schiffe über die neue Hauptmündung des Bogenflusses ins Landesinnere aufbfrechen. Er ist vergleichsweise jung (der Arkheimer Damm und der namensgebende Einwärtshafen wurden erst vor knapp 100 Jahren fertig gestellt), und die Straßen und Siedlungen sind sehr planvoll angelegt. Insbesondere ist dieser Bezirk gut auf potenzielle Überschwemmungen bei Hochwasser eingerichtet. Hier sind hauptsächlich Händler und Hafenarbeiter ansässig. Einwärtshafen hat den größten Teil des Warenverkehrs vom älteren Auswärtshafen übernommen und damit erheblich zu dessen wirtschaftlichem Abstieg beigetragen.

2. Palaststadt

Auf dem Palasthügel südöstlich von Einwärtshafen befindet sich die Residenz des Magistrats, ein weitläufiges, prunkvolles Gebäude mit unzähligen Sälen und Zimmern. Von hier aus werden die Geschicke Arkheims gelenkt. Am Fuß dieses Hügels haust die tausend Mann starke Palastgarde, deren Hauptaufgabe es ist, den Magistrat abzuschirmen, die jedoch auch in den Straßen der Stadt patrouilliert. An den umliegenden Straßen stehen Villen der reichsten und einflussreichsten Bürger der Stadt – in der Regel Zweitwohnsitze, die es ihren Besitzern ermöglichen, ganz nah am politischen Geschehen zu sein, während ihr Hauptanwesen sich in Waldstadt befindet.

3. Dammdorf

Ursprünglich war Dammdorf lediglich eine Siedlung für die beim Dammbau beschäftigten Arbeiter. Da jedoch hierfür das Gebiet östlich von Palaststadt an das Arkheimer Straßennetz angeschlossen wurde, ergab sich für viele Arkheimer Bürger die Gelegenheit, den eng besiedelten älteren Arkheimer Bezirken zu entkommen, und in dieser Gegend entstanden sehr rasch lange Zeilen mit Einfamilienhäusern. Dammdorf, welches sich einige Kilometer vom restlichen Stadtgebiet entfernt befindet und mit diesem noch kein vollständig geschlossenes Siedlungsgebiet darstellt, wenn auch die dünner besiedelten Flächen im Zwischengebiet nach und nach zugebaut werden, besteht somit vorwiegend aus Wohnstätten des Arkheimer Mittelstands. Der größte Teil der in der Stadt Arkheim ansässigen Halblinge lebt im hiesigen Halblingviertel zusammen, welches für seine exzellenten Restaurants bekannt ist. Der Dammdorfer Wasserpark im Süden dieses Stadtbezirks ist ein weithin bekanntes Erholungsgebiet mit einer Inselbühne, deren Veranstaltungen Zuschauer nur von Mietbooten aus folgen können.

4. Auswärtshafen

Südlich von Palaststadt verflacht das Gelände wieder, und hier befindet sich das ehemalige Hauptdelta des Bogenflusses. An dessen Mündung reihen sich die Dutzende Piers des namensgebenden Auswärtshafens aneinander, über den einst der gesamte Arkheimer Fernverkehr abgewickelt wurde. Seit der Umleitung des Bogenflusses nach Norden jedoch ist der größte Teil dieses Hafens außer Betrieb, und die meisten Lagerhallen stehen leer (zumindest offiziell – viele dienen kriminellen Banden als Quartier oder werden als illegale Schänken und Bordelle genutzt). Nur wenige Händler mieten hier noch Lagerraum, obwohl dieser hier deutlich billiger ist als in Einwärtshafen, denn der Transport nach Norden zum schiffbaren Arm des Bogenflusses bedeutet zusätzliche Kosten, und das Risiko Waren durch Diebstahl zu verlieren, ist in Auswärtshafen besonders groß (man kann natürlich Schutzgeld zahlen, doch das rechnet sich meistens nicht). Ehrliche Arbeitsmöglichkeiten in größerem Umfang bieten nur noch die größten seegängigen Handelsschiffe, denen der Einwärtshafen zu eng ist, doch in der Regel laden diese ihre Waren nur direkt am Pier auf kleinere Schiffe und Boote um, welche dann nach Einwärtshafen oder gleich weiter ins Landesinnere fahren.

Das Labyrinth:

Auswärtshafen ist generell der für unvorsichtige Bürger gefährlichste Bezirk Arkheims, wo man vor Taschendieben, Räubern und streitlustigen, betrunkenen Matrosen ebenso auf der Hut sein muss wie vor betrügerischen Händlern und aufdringlichen Huren. Das zu Recht verrufenste Viertel Arkheims jedoch befindet sich in seinem Zentrum, wo ausgedehnte Flächen mit nicht mehr genutzten Lagerhallen komplett von improvisierten hölzernen Auf- und Anbauten überwuchert werden. Tatsächlich sind solche Holzbauten in der Stadt Arkheim durch den Magistrat wegen der Brandgefahr prinzipiell verboten, und Ausnahmegenehmigungen werden nur für kurze Zeit erteilt. Durch das Wirken mehr oder weniger geschickter Fälscher, sowie die berüchtigte Bestechlichkeit der Auswärtshafener Beamten sind jedoch um ein Vielfaches mehr an solchen Genehmigungen im Umlauf, als der Magistrat gutheißen würde, und viele Hütten und Zäune werden auch einfach ohne Genehmigung errichtet und irgendwann später im Auftrag des Magistrats wieder abgerissen (und dann meistens umgehend an etwas anderer Stelle erneut aufgebaut). Dieser Bereich, mit seinen engen und unübersichtlichen verwinkelten Gassen, die ihren Verlauf alle paar Tage ändern, ist als das „Labyrinth“ bekannt, und nur die wenigsten Bürger und Pfoten wagen sich dort hinein, insbesondere nach Sonnenuntergang.

5. Altstadt

Östlich von Auswärtshafen und südlich von Palaststadt zieht sich der älteste Arkheimer Bezirk nach Süden, Altstadt. Hier reihen sich Läden und Handwerksbetriebe aneinander. Die meisten in der Stadt Arkheim lebenden Zwerge wohnen hier, üblicherweise in einstöckigen Häusern, welche im Erdgeschoss als Laden- und im Obergeschoss als Wohnräume genutzt werden. Zentrum von Altstadt und Arkheim insgesamt ist der Große Marktplatz, auf dem selbst an ruhigen Tagen Hunderte Buden stehen, auf dem sich jedoch an wichtigen Markttagen Zehntausende Menschen drängen, und welcher auch den Verkehrsmittelpunkt der Stadt darstellt. Die einfacheren und ärmlicheren Geschäfte findet man im Norden Altstadts, zwischen den Armen des Bogenflusses. Auf dem höheren Grund im Süden stehen die teureren Läden, wie Spezialitätengeschäfte, Juweliere, Buchhandlungen und Geschäfte mit Fernhandelsware.

6. Waldstadt

Östlich und südöstlich von Altstadt gelegen, ist Waldstadt weniger ein städtisches Gebiet als vielmehr eine Ansammlung von Gutshöfen und Landsitzen der Arkheimer Oberschicht. Die meisten Arkheimer Elbenfamilien (natürlich abgesehen von den Grünelben) leben hier. Dieser Bezirk ist flächenmäßig erheblich größer als die übrige Stadt Arkheim zusammen, da er ausgedehnte Ackerflächen, Wald- und Weidegebiete beinhaltet.

7. Schwertstadt

Dies ist, abgesehen von dem ausgedehnten Waldstadt, der südlichste Bezirk Arkheims. Er ist sehr dicht besiedelt. Neben ausgedehnten Arbeitersiedlungen beherbergt er vor allem die Ausbildungskasernen des Arkheimer Hauptheers und die Arkheimer Arena. Dementsprechend weist Schwertstadt zahlreiche Gaststätten und Bordelle auf, die von bodenständiger Qualität sind, und in denen es auf Grund der Präsenz des Arkheimer Militärs üblicherweise sehr geordnet zugeht.

Die Arena:

Die Arkheimer Arena ist das größte Bauwerk Westfernlands und bietet in abgestuften Rängen Sitzplätze für über 30.000 Zuschauer. Hier finden nicht nur öffentliche Truppenübungen statt, sondern auch Schaukämpfe, Zirkusvorführungen, sportliche Wettbewerbe, Theater- und Musikaufführungen, öffentliche Debatten und an den Feiertagen vom Magistrat veranstaltete Gedenkfeiern.

In den Katakomben und Nebengebäuden der Arena befinden sich Hunderte Bühnenbilder und Zehntausende Masken und Verkleidungen. Von Zwergen konstruierte Bühnenaufbauten werden hier in Einzelteilen gelagert und lassen sich innerhalb weniger Stunden zusammensetzen. Mit ihrer Hilfe kann das Innere der Arena als Kampfstätte, Wagenrennbahn, Schaubühne, Hindernisparcours, Labyrinth oder sogar als Wasserbecken, in dem Boote fahren können, gestaltet werden. Die Arena verfügt außerdem über Stallungen für exotische Tiere.

Arkheim als Verkehrszentrum

Verkehr und Handel in der Stadt Arkheim:

In Arkheim verkehren Tag und Nacht Droschken, die an einem Dutzend Plätze im Stadtgebiet verteilt auf Kunden warten – unter anderem am Großen Marktplatz, vor der Arena, vor dem Palast und am Dammdorfer Wasserpark. Eine Fahrt innerhalb des Stadtgebiets kostet 30 Kreuzer, aber bei kürzeren Fahrten lassen sich die Kutscher in der Regel herunterhandeln. Auf den Flußarmen kann man sich außerdem für ein deutlich geringeres Entgelt (je nach Verhandlungsgeschick) von Ruderbarken befördern lassen. Hier geht man jedoch, insbesondere in Auswärtshafen, ein gewisses Risiko ein, ausgeraubt und – lebendig oder tot – über Bord geworfen zu werden. Eine Fahrt von Einwärtshafen nach Dammdorf dauert üblicherweise eine Stunde, in umgekehrter Richtung eine halbe Stunde.

Gaststätten und Läden im Land Arkheim haben für gewöhnlich mindestens einen Ruhetag in der Woche. Dies ist häufig, aber nicht immer, der Zehntag. Im Stadtgebiet von Arkheim allerdings ist es üblich, Arbeitern und Angestellten an Neun- und Zehntag häufiger freizugeben, damit diese die Veranstaltungen in der Arena besuchen können. Diese Vorstellung eines „Wochenendes“ beginnt sich in der Stadt allgemein immer mehr durchzusetzen. Händler aus Arkheim wiederum schließen am Wochenende zwar oft ihren Laden, bieten ihre Waren dafür dann aber auf einem Stand auf dem Großen Marktplatz in Altstadt oder in der Umgebung der Arena feil.

Reisen nach Grenzbrück:

Der Magistrat bemüht sich, Grenzbrück stärker an die Stadt Arkheim anzubinden. Tatsächlich gibt es sogar Pläne, Grenzbrück als achten Stadtbezirk einzugemeinden, doch bislang hat sich der Junker von Grenzbrück diesem Ansinnen erfolgreich widersetzt. Der Magistrat subventioniert jedoch einen regelmäßigen Kutschverkehr zwischen dem Großen Marktplatz und dem Exerzierplatz in Grenzbrück, so dass eine solche Fahrt ebenso wie eine innerstädtische für die Gesamtstrecke nur 30 Kreuzer kostet, obwohl sie – mit einigen Zwischenhalten an kleineren Siedlungen – knapp drei Stunden dauert.

Je nach Wetterlage kann der Wasserweg – insbesondere stromabwärts – schneller sein. Allerdings ist bei der Durchfahrt zwischen den Dammdorfer Wasserstraßen und dem Bogenfluss ein Binnenfahrtzoll zu entrichten, der 20 Kreuzer pro Tag beträgt (es gibt jedoch einen „Wochenendtarif“ von 30 Kreuzern für Neun- und Zehntag zusammen). Händler, welche diese Strecke regelmäßig befahren, erwerben natürlich stattdessen eine dauerhafte Lizenz, aber Passagiere, welche spontan einen Bootsmann zu einer Fahrt angeheuert haben, müssen diesen Zoll zumeist für diesen entrichten.

Reisen in entferntere Gegenden:

Obwohl die Stadt Arkheim sich am westlichen Rand des Arkheimer Staatsgebiets befindet, stellt sie doch den Ausgangspunkt aller wichtigen Verkehrswege dar. Die Große Heerstraße, welche in Schwertstadt beginnt und über den Großen Marktplatz in Altstadt nach Osten zum Bogenfluss führt, verbindet Arkheim mit Grenzbrück, Kreuzbrück und schließlich Wagenfurt an der Arkheimer Ostgrenze. Von Einwärtshafen fahren Schiffe entweder vor Grenzbrück den Schlangenfluss hinauf bis nach Grünhausen oder folgen weiter dem Bogenfluss nach Trutzburg (von wo aus über den Blutfluss Kreuzbrück und Traubenstadt erreicht werden können), und schließlich nach Wagenfurt. Siedlungen im Umkreis von knapp 100 Kilometern von Arkheim werden regelmäßig mit Post- und Passagierkutschen angefahren. Auf Bogenfluss, Schlangenfluss und Blutfluss verkehren regelmäßig Schiffe, die sowohl Waren als auch Passagiere befördern.

Über den Seeweg sind von Arkheim aus nach Norden einige kleinere Küstenorte bis hin nach Nordhafen erreichbar. Von diesen führen Fußwege zu den Grenzgarnisonen und Bergbaustädten in den Landstrichen mit gemäßigterem Wetter, und von diesen schließlich breite Aufmarschstraßen nach Grenzbrück, doch aus dem hohen Norden ist der Wasserweg nach Grenzbrück, obgleich deutlich länger, weit schneller.

Nach Süden hin fahren Schiffe bis nach Kaperstadt und gelegentlich von dort weiter bis nach Osthafen. Es existiert auch eine Küstenstraße von Arkheim nach Kaperstadt, die in zahlreichen separaten Abschnitten von unterschiedlichen Kutschunternehmen befahren wird. Die Strecke vom Großen Marktplatz bis Tangstrand nahe der Anstalt von Arkheim ist der nördlichste Abschnitt davon. Von Kaperstadt führt allerdings keine Straße weiter als einige Dutzend Kilometer nach Osten, und auch nördlich davon gibt es kaum ausgebaute Wege ins Landesinnere.

Der Magistrat plant, die Bergstraße von Osthafen nach Goldstadt weiter bis nach Wagenfurt zu verlängern und dort Festungen zu errichten, um den Grenzverlauf Arkheims zu markieren und Ausgangspunkte für Exkursionen gegen die Orkbanden im Süden Arkheims zu schaffen, doch ist bislang noch keine geeignete Route durch die Ausläufer der Himmelsberge gefunden worden, und die Gefahren durch Laufdrachen, sowie Streitigkeiten über die Finanzierung verzögern die Umsetzung dieser Pläne weiter.

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Veröffentlicht on Januar 14, 2017 at 12:10 am  Kommentare deaktiviert für Über die Stadt Arkheim