Über Pfoten

(aus einem Arkheimer Informationsband für Flüchtlinge aus Urland)

Die Hunde und Katzen Fernlands – üblicherweise die Pfotenvölker oder kurz Pfoten genannt – sind im Gegensatz zu denen auf Urland von bürgerlicher Intelligenz, und daher natürlich keine Haustiere. Es gibt keine Hunde- oder Katzenhalter, sondern lediglich Hunde- oder Katzenfreunde, und die Bürger Arkheims leben mit ihnen auf gleichberechtigter Basis zusammen. Bei weitem nicht alle Pfoten wohnen jedoch bei Bürgern. Viele streunen alleine oder in Rudeln umher – die so genannten Wildhunde und Wildkatzen.

Pfoten verstehen in der Regel das Gemein, können es aber nicht sprechen. Sie selbst bedienen sich der Hunde- bzw. Katzensprache, die aus Bürgern unverständlichen Lauten besteht. Einige Pfoten können allerdings das Gemein lesen und schreiben, und viele haben sich bürgerliche Gesten angewöhnt, die es ihnen erleichtern, mit Bürgern zu kommunizieren.

Bürger, die Pfoten misshandeln oder gar töten, müssen mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen. Das Buch des Wandels stellt solche Handlungen nicht nur unter Strafe, es erkennt auch ausdrücklich das Recht der Pfotenvölker an, sich an Bürgern für erlittenes Unrecht zu rächen. Umgekehrt besitzen Bürger selbstverständlich ebenfalls das Recht, sich gegen Übergriffe durch Pfoten zu verteidigen, und in extremen Fällen steht auch ihnen ein Racherecht zu. Rechte und Pflichten der Pfoten in Arkheim sind ebenso wie diejenigen von Bürgern im Buch des Wandels dargelegt.

Der Grund warum Katzen und Hunde einander abgrundtief hassen ist nicht bekannt – beide Völker weigern sich, darüber zu sprechen. Tatsächlich brach diese Feindschaft urplötzlich etwas über 100 Jahre nach der Gründung Arkheims ohne Vorwarnung mit der Schlacht der Schreie aus. Seit damals tobt der Pfotenkrieg in Fernland.

Der Blutzoll auf beiden Seiten ging bereits nach wenigen Tagen in die Zehntausende, und rasch wurden auch Bürger in diesen Konflikt hineingezogen. Der Riss zwischen Hunde- und Katzenfreunden ging häufig durch Familien hindurch. Geschwister und Eheleute bekämpften einander. Die Situation eskalierte weiter, als Rudel von Wölfen und Berglöwen als Kriegsteilnehmer in Arkheims Städte einfielen. Der Arkheimer Magistrat hatte keine Kontrolle mehr über das Land. Bürger verbarrikadierten sich, während das Militär sich vergebens bemühte, die Ordnung wiederherzustellen.

Erst durch eine Invasion der Orks fand die Schlacht der Schreie schließlich ein Ende. Bürger und Pfoten besannen sich auf die Bekämpfung ihres gemeinsamen Feinds, und so trat ein Waffenstillstand unter Vermittlung des damaligen Meisters der Anstalt Beroal Nalandur in Kraft, dessen Bedingungen im Wesentlichen auch heute noch gelten. In einer gemeinsamen Gegenoffensive wurden die Orks wieder zurückgedrängt und in der historischen Schlacht am Blutfluss schließlich endgültig besiegt. Seit damals gehört der Meister der Anstalt dem Magistrat von Arkheim an.

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Veröffentlicht on Januar 16, 2017 at 10:07 pm  Kommentare deaktiviert für Über Pfoten