Zum Kalender in Arkheim

(aus einem Informationsband für Erstjahresschüler der Anstalt)

Das Jahr beginnt nach der kältesten Nacht des Jahres im Monat Primus. Die zehn Monate (mit ihren Abkürzungen) lauten: Primus (Pr), Sekundus (Sk), Tertius (Te), Quartus (Qa), Quintus (Qi), Sextus (Sx), Septimus (Sp), Oktavus (Ok), Nonus (No) und Dezimus (De).

Jeder von ihnen hat vierzig Tage, das sind vier Wochen mit jeweils zehn Tagen. Die übliche Datumsschreibweise ist Tag-Woche, Monat, Jahr. Zum Beispiel: 7-3 Septimus 562; in Kurzform: 7-3 Sp562.

Die kältesten Monate sind Nonus, Dezimus & Primus; die wärmsten Quartus, Quintus & Sixtus. Die Sonnenwenden sind 1-3 Dezimus und 1-3 Quintus; Äquinoktien 1-1 Tertius & 1-1 Oktavus.

In der Anstalt sind Quintus und Sextus kursfreie Zeit. Das Kursjahr dauert also 8 Monate (320 Tage, 32 Wochen). In der Anstalt ist es daher üblich, langfristige Termine mit Kurswoche und Tag zu kennzeichnen, sowie üblicherweise mit Vor- oder Nachmittag. Zum Beispiel kann eine Zwischenprüfung für den Vormittag des dritten Tages der elften Kurswoche angekündigt sein: 4v-11w. (Das entspricht 4-3 Nonus in der allgemein üblichen Schreibweise.)

Neben „v“ für den Vormittag und „n“ für den Nachmittag gibt es auch Abkürzungen für andere Tageszeiten, die sich auf den Anstaltsrhythmus beziehen: „f“ für die Frühstückszeit, „m“ für die Mittagessenszeit, „a“ für die Abendbrotzeit, „s“ für die Zeit zwischen Abendbrot und Schlafengehen („Spätzeit“ – üblicherweise bis Mitternacht) und „b“ für die Nacht („Bettzeit“). Ein Tag eines Anstaltsschülers stellt sich wie folgt dar:

0 Uhr bis 7 Uhr Bettzeit
7 Uhr bis 8 Uhr Frühstück
8 Uhr bis 12 Uhr Vormittagskurs
12 Uhr bis 13 Uhr Mittagessen
13 Uhr bis 17 Uhr Nachmittagskurs
17 Uhr bis 18 Uhr Abendbrot
18 Uhr bis 24 Uhr Spätzeit

So hört man zum Beispiel häufig Aussagen wie „6s waren wir am Strand grillen“ oder „Meine Fürsprecherin hat mich gebeten, sie 4m in ihrem Zimmer aufzusuchen.“

Folgende Feiertage werden in der Anstalt ebenso wie in der Stadt Arkheim begangen:

Das Frühlingsfest am Frühlingsanfang (9-2 bis 10-2 Tertius bzw. 9-26w bis 10-26w); das Sommerfest in der kursfreien Zeit (1-4 bis 10-4 Quintus); das Erntefest in der letzten Woche des Septimus; der Siegestag am 3-2 Nonus bzw. 3-10w (dies ist der 333. Tag des Jahres); und der Gründungstag zum Jahresende am 10-4 Dezimus (10-16w).

Das Frühlingsfest findet an einem Wochenende statt und ist üblicherweise eine ausgelassene Tanzveranstaltung, bei der besondere Offenheit bei sexuellen Annäherungen erwartet wird. (Die meisten menschlichen Kinder werden im Dezimus geboren.) In der Anstalt schließen sich an das Frühlingfest die beiden so genannten Vorbereitungswochen an (27w & 28w), in denen keine Grundkurse und auch andere Kurse nur für ältere Schüler stattfinden, da von den Schülern erwartet wird, sich selbständig auf die darauffolgende Prüfungswoche (29w) vorzubereiten. (Ein geflügeltes Wort unter Anstaltsschülern ist „die Angst vor der 29“.) Die letzten drei Kurswochen werden üblicherweise mit Nachbereitung der Prüfungen und Vorbereitungen für Aufträge, welche die Schüler in der kursfreien Zeit durchführen sollen, verbracht. In manchen Fällen erhalten Schüler die Gelegenheit zu einer Nachprüfung am Wochenende der 30. oder 31. Woche.

Während des Sommerfestes, welches eine ganze Woche dauert und vor der wärmsten Nacht des Jahres endet, sind Läden und Behörden normalerweise nicht durchgängig geschlossen, besitzen aber verkürzte Öffnungszeiten. Die Abende werden üblicherweise mit so genannten „Unterhaltungsgelagen“ bestritten: Festmähler, bei denen Musik, Erzählungen, Gedichten oder Theateraufführungen gelauscht wird. (Diese Form der Unterhaltung ist in der Oberschicht das ganze Jahr hindurch verbreitet, aber einfache Bürger haben außerhalb der Sommerfestwoche selten Gelegenheit dazu.) Am Wochenende finden außerdem besondere Kampfspektakel in der Arkheimer Arena statt, zu denen der Eintritt frei ist. Viele Bürger übernachten bereits am Neuntag des Sommerfestes im Freien vor den Toren der Arena, um Einlass zu erhalten, da deren 30.000 Plätze nicht annähernd für alle Interessenten ausreichen. In der Umgebung der Arena schlagen daher an diesem Wochenende besonders viele Schausteller ihre Zelte auf, um denen, die keinen Einlass gefunden haben, Unterhaltung zu bieten.

Das Erntefest wird in der letzten Septimus-Woche gefeiert. Auf dem Land und in kleineren Siedlungen wird diese Woche häufig vollständig durchgefeiert; in größeren Städten und insbesondere der Stadt Arkheim, in denen der größte Teil der Bevölkerung nicht unmittelbar mit dem Einbringen der Ernte zu tun hat, wird nur am Wochenende gefeiert. Dabei ist es üblich, „aufs Land“ zu fahren und an den Feierlichkeiten der Landbevölkerung teilzunehmen. In der Stadt Arkheim wird an diesem Wochenende in Waldstadt ein großes Bankett und Tanzfest auf dem Landsitz der Yamilles abgehalten, welches die vermutlich wichtigste gesellschaftliche Veranstaltung des Jahres darstellt, an der man jedoch nur mit einer Einladung teilnehmen darf. Diese Einladungen werden an ausgewählte Personen, aber auch in größeren Mengen an Institutionen (zum Beispiel die Stadtwache), welche sie dann weiterverteilen, ausgegeben. Einige gelangen natürlich auch auf den Schwarzmarkt, doch nur wenige Bürger, die es sich leisten können, den Schwarzmarktpreis zu bezahlen, sind nicht bereits persönlich eingeladen. Alle Fürsprecher, sowie einige ausgewählte Schüler der Anstalt werden persönlich eingeladen und 9v-4w mit Droschken dorthin gefahren und 10s-4w wieder zurück gebracht. Beim Erntefest der Yamilles werden erlesene Köstlichkeiten angeboten und viele Geschenke verteilt (auch Schüler dürfen diese Geschenke behalten), und die Teilnahme daran gilt als besondere Belohnung oder Ehre.

Der Siegestag ist einer der beiden vom Buch des Wandels vorgeschriebenen Feiertage. Teilnahme daran ist Pflicht, und alle Arbeit (und auch der Unterricht) hat an diesem Tag zu ruhen. Weiterhin muss gefastet werden. Die Priester des Gewandelten Glaubens halten in ganz Arkheim an diesem Tag kommentierte Lesungen aus dem Buch des Wandels, und es werden gemeinschaftlich gesprochene Bekenntnisse zum geordneten Wandel und zur Vernichtung des Sündigen abgeleistet.

Auch der Gründungstag ist ein obligatorischer Feiertag. Von den Arkheimer Bürgern wird erwartet, diesen Tag alleine oder in kleinen Gruppen in Besinnung und mit Gebeten zu den Engeln zu verbringen. Genau um Mitternacht sprechen alle Arkheimer Bürger gemeinsam ein kurzes Gebet: „Möge es im neuen Jahr geordneter zugehen als im alten, und möge ich meinen Teil dazu beitragen können.“ Im Anschluss wird in ganz Arkheim eine Stunde lang geschwiegen.

Alle paar Jahre wird im Anschluss an den Gründungstag ein so genannter Bußetag eingefügt. 562 ist so ein Bußejahr. Am Bußetag wird von allen Bürgern erwartet, besonders hart zu arbeiten, sich keinerlei Zerstreuung hinzugeben, nur das Allernotwendigste zu reden, sowie zu fasten. Die Anwendung grenzenloser Gaben ist an diesem Tag strikt untersagt und wird allerstrengstens bestraft.

zu Informationen über die Gesellschaft in Arkheim
zum Kursplan der Anstalt
zur Kapitelübersicht
Advertisements
Veröffentlicht on Dezember 25, 2016 at 8:08 pm  Kommentare deaktiviert für Zum Kalender in Arkheim